Wettbewerb Denkmal 2010 "Architektonische Aufwertung historischer Stadträume"
Prof. Dr. phil. habil. Hans-Rudolf Meier
Lehrstuhl Denkmalpflege und Baugeschichte
1. Preis

"nach dem Dornröschenschlaf" - ein Platz wächst wieder zu

Der Wilhelm-Leuschner-Platz in Leipzig wird trotz seiner exponierten Lage zwischen Innenstadt und Südvorstadt im ersten Moment nicht als Leerstelle wahrgenommen. Dichtes Grün erweckt im Sommer den Eindruck eines verwilderten Parks. Im Winter hingegen ist die Situation eine Andere.

Der Entwurf betreibt keine Stadtreparatur, sondern greift Fluchten und Bewegungsräume der Umgebung auf und bezieht das Kellergeschoss der historischen Markthalle mit ein. Dabei ergeben sich neue Blöcke und Straßenzüge, die letztendlich eine Abstraktion der historischen Situation darstellen.

Die Markthalle dient als Pionier für das Gelände und stellt den Bezug zur Geschichte des Ortes her. In der Achse des Leplayplatzes entsteht die neue Markthalle, die in ihrer Kubatur die Proportionen des Platzes reflektiert und als Zentrum eines neuen Quartiers funktioniert. Dabei werden die Keller des historischen Gebäudes reaktiviert und für die Öffentlichkeit erfahrbar gemacht. Ein Teil der Kellerdecke wird entfernt, so dass ein tiefer gelegener Platz entsteht um den herum sich der geforderte Nahversorger und andere Geschäfte ansiedeln können, sowie Lager- und Kühlräume für die Marktstandbetreiber. Die eigentliche Markthalle setzt sich als Schutzhülle über die „Ausgrabung“. Ein schwerer Ring aus Beton und Backstein umschließt eine leichte Stahlkonstruktion. Das Verhältnis von Hülle zu innerer Konstruktion zitiert die historische Halle ebenso wie die Gliederung der Backsteinfassade durch Relief und Lochung.

Die umgebenden Blöcke werden in ersten Phase durch Baumpflanzugen markiert. So entstehen städtische Parks, die allmählich überbaut werden. Im Westen zum ehemaligen Königsplatz bleibt der neu geschaffene Park erhalten. Pavillions und der Zugang zur S-Bahn bespielen den Park.

Eine neue Randbebauung im Westen des ehemaligen Königsplatzes und ein neues Volumen (Unikindergarten) am Östlichen Ende der Brüderstraße vervollständigen den Entwurf.