Projekt 2014
Henning Michelsen

Neues Lichtspielhaus Erfurt

Altes Schauspielhaus

das wirtschftliche und kulturelle Zentrum Thüringens und hat damit eine hohe Anziehungskraft für junge Menschen. Studierende sowie die Medien- und Kreativwirtschaft prägen das kulturelle Leben und den Charakter in diesen Städten nachhaltig. In diesem Kontext bietet das alte Schauspielhaus Raum für Ateliers und verschiedenste kulturelle Angebote. Die besondere räumliche Struktur des Ensembles von ehemaligen Vereinshaus, Theater und Freifläche ermöglicht eine besondere synergetische Mischung von Nutzungen. Das ehmalige Vereinshaus aber auch Räume im Parterre des Saalbaues bieten sich als Raum für Existenzgründer in der Kultur- und Kreativwirtschaft mit Schwerpunkt Medien an. Die Kinonutzung und die Ansiedlung des Erfurter Tanztheaters macht aus dem Saal wieder eine dauerhafte Spielstätte und öffnet den Ort wieder für die Öffentlichkeit. Ein Restaurant ergänzt das Nutzungskonzept und bespielt den Garten auch ausserhalb der Kinozeiten.

Nutzungsgeschichte altes Schauspielhaus

1897 errichtete der Architekt Georg Weidenbach für den Geselligkeitsverein „Ressource“ das Klubhaus im neobarocken Stil, bestehend aus dem Villenartigen Gebäude an der Lilienstraße mit verschiedenen Gesellschaftsräumen und dem freistehenden Saalbau im Klostergarten am Klostergang. Bis zum II. Weltkrieg trafen sich hier die führenden Persönlichkeiten der Stadt zur abendlichen Zerstreuung und informellen Gesprächen. Nach Kriegsende fiel das Ensemble an die Stadt und wurde 1946 bis 1949 durch den Architekten Walter Beck zu einem Theater umgebaut. Eröffnet wurde das Schauspielhaus am 29. August 1949 mit einer Aufführung der Iphigenie auf Tauris. Zunächst wurde es noch als Neues Theater bezeichnet, ab 1956 dann als Schauspielhaus, 1957 kam noch die Kleine Bühne hinzu. Als 1997 die Alte Oper aus baulichen Gründen geschlossen werden musste verblieb das Schauspielhaus als einzige Spielstätte der Stadt. Als im Jahr 2003 der Neubau des Theaters Erfurt im Brühl eröffnet wurde, wurde das Schauspielhaus geschlossen. Seitdem steht es leer und ist dem Verfall preisgegeben.

Die Vorhandene Struktur des Klubhauses und des Saalbaues wurde bei der Umwandlung in ein städtisches Theater 1947 weitgehend erhalten. Das villenartige Gebäude an der Lilienstraße nahm Verwaltung und Theaterkasse auf und wurde in seinem Äußeren kaum verändert. Der Saalbau hingegen wurde um Bühnenturm und Hinterbühnenhaus sowie zweigeschossige Erweiterungen für das Foyer ergänzt. Das neobarocke Erscheinungsbild wurde dabei zugunsten eines zurückhaltenderen und dem neuen politischen Geellschaftsbild eher entsprechenden neoklassizistischen Ausdrucks überformt. Die städtebauliche Planung sah vor, den Saalbau im Norden und Osten durch den Abriss der Blockrandbebauung an der Regierungsstraße freizustellen. Der Eingang wäre damit auf die städtische Seite gewandert und das Gebäude als repräsentatives öffentliches Gebäude in den Stadtraum getreten. Die finanzielle Situation und die Wohnungsnot verhinderten vermutlich diese wichtige städtebauliche Maßnahme, machen aber auch den besonderen Reiz der heutigen räumlichen Situation aus.

Architektur

Die Ausstattung, die räumlichen Qualitäten, seine Geschichte und die Lage in der Stadt geben dem Ensemble einen besonderen, schützenswerten Charakter. Eine vielfältige kulturelle Nutzung in Kombination mit einer individuellen Gastronomie wird diesem Charakter in besonderer Weise gerecht und erschließt diesen besonderen Ort wieder für die Öffentlichkeit.

Der heutige Zustand ist das Ergebnis zahlreicher Um- und Anbauten und eines sparsamen umgangs mit dem Vorhandenen Raum. Der Entwurf versteht sich als Fortschreibung dieser Baugeschichte.

Der wichtigste konzeptuelle Eingriff ist die Herstellung einer Passage zwischen Villa und Saalbau um dem Ensemble auch von der Lilienstraße her öffentlich zu erschließen. Die Passage erschließt und verknüpft die verschiedenen Nutzungsbereiche und bildet das räumliche Rückrad für das entstehende Kulturquartier. Saalbau und Villa werden durch den Wegfall des vorspringenen Foyer-Pavillions baulich und architektonisch getrennt und insbesondere der linke Risalit der Villa freigestellt. Die leichte Konstruktion der Passage tritt architektonisch hinter dem Bestand zurück und erhält dadurch das prägende architektonische Erscheinungsbild des Ensembles.

Im Inneren beschränkt sich der Entwurf im wesentlichen auf die implantierung von drei Kinosälen (zusätzlich zum großen Saal) und acht Ateliers in der Hinterbühne. Dabei wurde darauf geachtet die wesentlichen räumlichen Zusammenhänge zu erhalten. Der Eingang erfolgt von der neu geschaffenen Passage her über den ehemaligen Garderobenbereich hinter dem Saal. Der Beleuchterraum wird zum Foyer geöffnet und zur Bar/Kasse umgewandelt. Die Garderobe wird zur Lounge. Von hier wird der Besucher in die vier Kinosäle geleitet. Der große Saal und das Innere des Bühnenturms bleiben in ihrer Form und Ausstattung erhalten und bilden das Herz des Gebäudes. Die neuen Ateliers gruppieren sich um den Bühnenturm. Die Bühne wird zur „Werkbühne“.